Informationen über die Hautbiopsie

Grundlagen der Dermatopathologie

Histopathologische Beurteilung

Bei Neoplasien geht es vor allem um die Einschätzung ihres biologischen Verhaltens, das heisst um die Unterscheidung von Gutartigkeit und Bösartigkeit. Dies gelingt am besten durch Beurteilung des Wachstumsmusters. Da Kriterien wie Begrenzung, Symmetrie, und Anordnung von Tumorzellen das biologische Verhalten einer Neoplasie unmittelbar widerspiegeln, sind sie aussagekräftiger als andere Veränderungen, wie zum Beispiel Kernatypien und Mitosen.(3) Ein gutes Beispiel für die Wertigkeit der unterschiedlichen Kriterien ist der Spitz-Naevus, der wegen ausgeprägter Kernatypien bei seiner Erstbeschreibung als malignes Melanom eingestuft wurde. Erst als später auf die Architektur des Naevus hingewiesen wurde – seine Symmetrie und scharfe Begrenzung – war die gute Prognose erklärt, und eine zuverlässige Abgrenzung vom Melanom wurde möglich. Biopsien von Neoplasien sollten es dem Histopathologen daher stets ermöglichen, sich einen Eindruck vom Gesamtaufbau einer Läsion zu verschaffen.

Für entzündliche Dermatosen gilt das gleiche: die Diagnose hängt entscheidend von der Verteilung der Infiltratzellen in Epidermis, Dermis und Subkutis ab. Am häufigsten finden sich perivaskuläre Infiltrate, die auf die obere Hälfte der Dermis beschränkt sind (Arzneimittel- und Virusexantheme, Purpura pigmentosa progressiva, Lichen planus etc.). Erstreckt sich das Entzündungsinfiltrat auch auf den tiefen Gefäßplexus, der an der Grenze zur Subkutis gelegen ist, so müssen ganz andere Erkrankungen in die Differenzialdiagnose einbezogen werden, zum Beispiel der Lupus erythematosus. Bei entzündlichen Prozessen in der Subkutis stellt sich die Frage, ob die Veränderungen vorwiegend die Septen betreffen, wie beim Erythema nodosum, oder die Läppchen des Fettgewebes, wie dies in der Regel beim Erythema induratum und beim Lupus erythematosus profundus der Fall ist.(4) Werden die entsprechenden Haut- und Fettgewebsbereiche durch die Biopsie nicht repräsentativ erfasst, ist eine sichere histopathologische Diagnose häufig nicht möglich.